2003
Licht und Schatten auf dem Spielfeld und im Office.
Viel zu tun gab es für die Verantwortlichen nach dem Ausfall des Vermarktungspartners, um die kommende Spielzeit ans Laufen zu bringen. Nicht geplante Kosten für Lizenz, Verband und andere Aufwendungen mussten kurzfristig bewältigt werden. Dafür wurden woanders Ausgaben reduziert. Zunächst zog die Geschäftsstelle kostenfrei in die Räume der Webeagentur Genter & Partner ein, die Präsenz dort wurde mit Hilfe ehrenamtlicher Helfer eingeschränkt aufrecht erhalten.
Trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gelang es dem Scorpions-Vermarkter Matthias Walter, wenn auch auf niedrigerem Level, Sponsoren zu halten, bzw. neue hinzu zu gewinnen. Leider verzichtete Headcoach Tom Ross, wenn auch schweren Herzens, auf eine weitere Zusammenarbeit mit den Scorpions. Das Angebot, an seinem alten College in Augsburg/Minnesota einen Trainerposten anzunehmen, konnte er nicht ausschlagen. Dafür avancierte der als Defense-Coordinator vorgesehene Andreas Wengertsmann zum Cheftrainer.
Die Saison für das GFL-Team war von zwei sehr unterschiedlichen Teilen geprägt: Nach dem sensationellen Auswärtserfolg in Hamburg gegen den amtierenden Deutschen Meister sowie 3 weiteren Siegen in Folge, konnte die Mannschaft in den folgenden sechs Spielen gerade mal 1 Punkt ergattern. So stand sogar die Payoff-Teilnahme auf dem Spiel. Doch die Punkterunde fand mit zwei Siegen noch einen versöhnlichen Abschluss. Darunter der in alter Scorpions-Manier erkämpfte Sieg gegen den bereits feststehenden und bislang innerhalb der Conference ungeschlagenen Süddeutschen Meister, die Rhein-Main Razorbacks.
Obwohl sich die Mannschaft im Viertelfinale gegen die Braunschweig Lions, einen der Germanbowl - Favoriten, besser denn je schlugen, wurde mit diesem Spiel die Saison beendet.
Sehr positiv ist zu vermerken, dass die Fans weiterhin den Scorpions die Treue hielten. Innerhalb der GFL-Süd konnte die Spitzenposition im Zuschauerzuspruch gehalten werden, in der gesamten Bundesliga stand man hier auf Platz 4.
Für die in diesem Jahr in Deutschland stattfindende Football-WM erreichte 3 Stuttgarter der Ruf des Nationaltrainers: Neben den schon lange zum Stamm gehörenden Gunter Braschler und Marc Correll galt dies auch für Patrick Fajfr. Sie können sich jetzt stolz WM-Dritter nennen. Eigentlich sollte dies auch für einen Vierten gelten: OL Marco Kristen, der bereits in der Junioren-Nationalmannschaft aktiv war, musste seine WM-Teilnahme absagen. Allerdings aus einem höchst erfreulichen Grund. Mit einem Stipendium der Unversity of Delaware gelang ihm, wovon viele Spieler in Deutschland nur träumen können. Der Sprung zum College-Football.
Auch der Nachwuchs der Scorpions kann letztendlich mit dem Erreichten zufrieden sein. Die GFL-Juniors - Mannschaft hatte von Anfang an Personalprobleme. Weiter mussten ungewöhnlich viele Verletzungsausfälle kompensiert werden. Erst im letzten Spiel konnte der 2. Platz in der Südgruppe und damit die Playoff-Teilnahme am Juniorbowl erreicht werden. Das Viertelfinale gegen die Hamburg-Junior-Devils war dann das Ende der Saison. Die Ausbildung im Scorpions-Footballprogramm unter der Leitung des langjährigen Headcoach Michael Eichel und seiner Assistenten zeigte allerdings auch anderswo Früchte: Nicht weniger als 10 Spieler waren im 44er Kader der Ba-Wü-Jugendauswahl, die im Oktober erstmals das Jugendländerturnier in Berlin gewann.
Mehr als erfreulich gestaltete sich der Flag-Bereich. Ohne Niederlage und gerade einem Gegen-Touchdown gewannen die jüngsten Scorpione die Baden-Württembergische Meisterschaft. Der relativ kleine Kader konnte sich darüber hinaus mit einem 22:0 Sieg über den bayrischen Meister noch den Titel des Süddeutschen Meisters und damit die Teilnahme an der Endrunde um den Junior-Flag-Bowl V sichern. Das Endrundenturnier fand am 21.9.2003 im Waldaustadion statt, denn die Scorpions waren nicht nur Teilnehmer, sondern auch Ausrichter dieses Finales. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille setzten die Flaggies ein weiteres Highlight in der Geschichte der Stuttgart Scorpions.
Dass American Football nicht nur eine Männerdomäne ist, beweist die Entwicklung des neuesten Teams der Scorpions. Trotz hoher Einstiegshürden hat sich im Laufe des Jahres die respektable Anzahl von fast 30 Spielerinnen zusammengefunden, die mit großem Enthusiasmus gezeigt haben, dass es sich um keine Eintagsfliege handeln wird. Bis in den Herbst hinein wurde auf dem Feld trainiert, um am 1. November ein Scrimmage gegen die Nürnberg Hurricanes auszutragen. Dabei zeigte sich, dass das Team durchaus konkurrenzfähig ist. Noch ist an eine Ligateilnahme nicht zu denken, denn dafür sind mindestens 35 Spielerinnen notwendig. So wird man sich zunächst auf Freundschaftsspiele beschränken müssen.
Beide Cheerleader-Squads konnten Ihr Auftreten weiter steigern. Dafür nahmen die Mädchen und Damen zusätzlich zum Training an Workshops teil. Dies konnten die „Black Scissors“ (Jugend) sowohl am Spielfeldrand bei den Spielen der GFL-Juniors, als auch bei zahlreichen Auftritten bei anderen Events zeigen. Eine größere Anzahl wechselte dann auch nach der Football-Saison altershalber zu den Seniorinnen.
Die Damen-Squad „Red Poison“ fiel schon während der Spiele im Waldaustadion durch eine noch bessere Performance auf. Dass dies nicht von ungefähr kam, bewies der erstmalige Gewinn der Baden-Württembergischen Meisterschaft im Senior-Cheer im Dezember und setzten somit ein weiteres Glanzlicht für den ASC.
Zur Mitgliederversammlung Ende November gaben die Vorstandsmitglieder Hans-Joachim Scherb und Klaus Mecherlein nach dem Rechenschaftsbericht bekannt, dass sie aus beruflichen und privaten Gründen diese Funktion nicht mehr länger ausüben können. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang 2004 soll die Geschäftsführung daher an einen dann neu zu wählenden Vorstand übergeben werden. Zur Vorbereitung dieser Versammlung und zur Unterstützung des nur noch kommissarisch tätigen Vorstands bei den bis dahin anfallenden Aufgaben bildete sich eine 15-köpfige Taskforce unter der Leitung von Kurt Paulus – bis 2002 Jugendleiter-, in der Mitglieder aller Abteilungen des Vereins vertreten sind.
